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Die Einteilung von Blockflöten in Register ist aus dem Orgelbau übernommen. Bei der Orgel werden Gruppen baugleicher Orgelpfeifen zu Registern zusammengefasst. Die Gruppierung in Register und deren Benennung erfolgt nach verschiedenen Kriterien:
- nach der Bauart der Orgelpfeifen (z. B. "Gedackt")
- nach der Klangfarbe eines imitierten Instruments (z. B. "Krummhorn" oder "Flöte")
- nach der Anordnung der Orgelpfeifen (z. B. "Prinzipal" oder "Hauptwerk") oder
- nach der Tonhöhe, ausgedrückt in der Pfeifenlänge (z. B. "4' = 4-Fuß").
Die Angabe der Länge der Orgelpfeife in Fuß bezieht sich dabei auf die tiefste Pfeife des jeweiligen Registers in der Stimmung C. (Merkwert: 1 Fuß entspricht etwa 30 cm - genau 30,84 cm -)
Bei einem 4-Fuß-Register (4' ) kommt also der tiefste Ton aus einer auf C gestimmten Pfeife mit einer Länge von 4' = etwa 120 cm. Im Acht-Fuß-Register (8' ) ist die tiefste Pfeife eine etwa 2,5 m lange C-Pfeife, der Ton liegt eine Oktave unter dem tiefsten C im 4‘-Register. Die gebräuchlichsten Register nach Tonhöhe sind im Oktavabstand: 2-Fuß, 4-Fuß, 8-Fuß und bei großen Orgeln auch 16-Fuß (= etwa 5 Meter!).
Auch bei manchen Cembali findet man die Möglichkeit, 4- und 8-Fuß-Register durch Koppelung von Gruppen unterschiedlich langer Saiten - entweder mit Registerzügen oder mit verschiedenen Manualen oder beidem kombiniert - einzustellen. Die Angabe "4-Fuß" oder "8-Fuß" bezieht sich hier nicht auf die Länge der Saiten, sondern wiederum auf die Länge der gleich hoch oder tief klingenden entsprechenden Orgelpfeifen.
Beim Blockflötenensemble ist heute als typische Quartett-Formation die Gruppierung SATB (Sopran in C, Alt in F, Tenor in C und Bass in F) üblich. In der Renaissance war häufiger - abgeleitet aus dem entsprechenden Vokalensemble - ein Quartett aus ATTB-Flöten verbreitet, wobei die Altflöte oft in G gestimmt war. Als Bassflöte wurde entweder das sog. Basset in F (entspricht der heutigen Bassflöte) oder häufiger ein (Groß-)Bass in C eingesetzt.
Eine Großbassblockflöte in C ist etwa 115 bis 120 cm, d. h. 4 Fuß, lang. Daher wird im Blockflötenensemble eine Gruppe aus ATTGb-Flöten als Quartett im 4-Fuß-Register bezeichnet, analog zu der Orgel nach der Länge der tiefsten Flöte in C. Die Bezeichnung wird dabei gleichermaßen auf das heute übliche Quartett von SATB-Flöten angewandt, wobei hier die eigentlich dazu gehörende tiefste Flöte, nämlich der namengebende Großbass in C, fehlt. Gruppierungen aus Blockflöten von Sopranflöte absteigend bis Großbassflöte bilden also das 4'-Register.
Im 8-Fuß-Register wäre die tiefste Blockflöte ein Subcontrabass in C mit einer Höhe von etwa 250 cm (auch: Contrabass, die Namensgebung ist uneinheitlich und stimmt im Angloamerikanischen nicht mit dem deutschsprachigen Gebrauch überein). Derartig große Blockflöten werden nicht in Großserien hergestellt. Es gibt einige handgefertigte Modelle einzelner Flötenbauer (z. B. Adriana Breukink, Enschede/NL oder van Huene, Boston/USA), und auch der Blockflötenbauer Paetzold (Ebenhofen/Allgäu) baut in seiner Serie mit quadratischem Querschnitt ("IKEA-Bass") einen Subcontrabass in C und sogar in FF im 16'-Register, eine Oktave unter dem Subbass in F. In der Regel fehlt jedoch beim gebräuchlichen Blockflötenquartett im 8-Fuß-Register - wie im 4-Fuß-Register - meistens die tiefste, namengebende Flöte in C. Das 8-Fuß-Register besteht also meistens aus einer Gruppe aus Tenorflöten in C, Bassflöten bzw. Bassets in F, Großbässen in C und Subbässen in F (TBGbSb). Im 2-Fuß-Register ist die Tenorflöte mit 2' = etwa 60 cm Länge die namengebende Blockflöte. Entsprechend den tieferen Registern wird der Begriff "2-Fuß-Register" heute auf ein Quartett mit einer tiefsten Flöte in F angewandt, d. h. einer Gruppe aus Garklein in C, Sopranino in F, Sopran in C und Alt in F.
Ob z. B. eine Tenorflöte zum 4-Fuß- oder zum 8-Fuß-Register gehört, hängt davon ab, welche Stimme sie in welcher Gruppierung spielt. Spielt sie die 3. Stimme (mit Sopran, Alt und Bass), gehört sie zum 4-Fuß-Register. Spielt sie die 1. Stimme (mit Bass, Großbass und Subbass), gehört sie zum 8-Fuß-Register. Genau so verhält es sich mit der Bassflöte: 4. Stimme (mit SAT) = 4-Fuß, 2. Stimme (mit TGbSb) = 8-Fuß.
Register im Blockflötenensemble:
Stimmung | 2-Fuß-Register | 4-Fuß-Register | 8-Fuß-Register | | C | Garklein ca. 15 cm | Sopranflöte ca. 30 cm | Tenorflöte ca. 60 cm | | F | Sopranino ca. 25 cm | Altflöte ca. 45 cm | Bassflöte ca. 90 cm | | C | Sopranflöte ca. 30 cm | Tenorflöte ca. 60 cm | Großbass ca. 120 cm | | F | Altflöte ca. 45 cm | Bassflöte ca. 90 cm | Subbass ca. 190 cm | | C | Tenorflöte ca. 60 cm = 2 Fuß | Großbass ca. 120 cm = 4 Fuß | Subcontrabass ca. 246 cm = 8 Fuß |
Der Großteil der Literatur für Blockflötenquartett wird heute für die Kombination SATB herausgegeben. Zahlreiche Ensembles, besonders professionelle Musiker, die auf Renaissanceflöten spielen, transponieren Werke für Blockflötenquartett SATB in eine tiefere Lage für die Besetzung ATTGb oder ATBGb, zum einen wegen des volleren Klanges der tieferen Flöten, zum anderen weil sie damit mehr der überlieferten historischen Aufführungspraxis entsprechen.
Die Verwendung von Flötengruppen unterschiedlicher Register erweitert die klanglichen Ausdrucksmöglichkeiten von Blockflötenensembles. Wiederholungen, Imitationen oder "Echo-Stellen" können beispielsweise in unterschiedlichen Registern gespielt werden. Bestimmte Phrasen werden durch Wechsel der Register prägnanter dargestellt. Die Verdoppelung eines 4'-Registers durch ein 8'-Register führt zu mehr Klangfülle. In doppelchörigen Werken kann ein Chor mit hohen Flöten (4' ), der andere Chor kontrastierend mit tiefen Flöten (8' ) besetzt werden. Da die menschliche Sopranstimme der Tonhöhe einer Tenorflöte entspricht, sollten Vokalwerke wie Motetten, Chansons oder Madrigale möglichst im 8'-Register gespielt werden.
Walter Koester-Stölting, August 2004
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